Burnout vorbeugen als Führungskraft: Warum Aushalten nicht dasselbe ist wie Stark-Sein


„Timo, ich bin eine Wurst."
Das war, ohne Übertreibung, die ehrlichste Anfrage, die ich je bekommen habe.
Sie kam von einer Moderatorin, die regelmäßig im Fernsehen steht. Jemand mit straffen Zeitplänen, die unter Druck reagieren und sich durchsetzen muss. Sportliche Ausstrahlung, starke Präsenz. Und genau diese Frau sitzt vor mir und sagt: Ich bin eine Wurst.
So deutlich sagt das kaum jemand. Aber in abgeschwächter Form höre ich es dann doch immer wieder.
Viele der Führungskräfte, die ich in den letzten 15 Jahren betreut habe, teilen eine Gemeinsamkeit:
Sie standen irgendwann mit einem Bein im Burnout – oder kamen gerade aus einem heraus.
Das erwartet dich in diesem Beitrag:
Du bist der, der immer noch eins draufsetzt
Vielleicht kennst du das von dir. Du bist der, der noch ein Projekt übernimmt, wenn es eng wird. Der in der Krise als Erster da ist und als Letzter geht. Du klagst nicht, du fällst nicht aus. Dein Umfeld nennt dich belastbar, und ein kleiner Teil von dir ist stolz darauf.
"Ich halte was aus."
Und das funktioniert. Monatelang. Oft jahrelang.
Bis es nicht mehr funktioniert.
Hier ist der Punkt, um den es in diesem Text geht: Was da bewundert wird, ist nicht Resilienz. Das ist Aushalten. Und das sind zwei völlig verschiedene Dinge – in vielem sogar das genaue Gegenteil.
Bevor wir weitermachen, eine Frage. Ich stelle sie jedem, der zu mir kommt, egal ob Weltmeister oder Geschäftsführer: Was ist aktuell deine größte Herausforderung?
Nicht laut. Nur für dich.
Ich kenne deine Antwort nicht. Aber ich kenne das Muster, das ich seit Jahren sehe. Meistens ist es nicht die eine Herausforderung. Es sind gleich mehrere. Gleichzeitig. Und dazwischen bleibt keine Zeit zum Durchatmen. Eine Welle bricht nach der anderen über dir zusammen.
Irgendwann geht dir schlicht die Energie aus. Und auf einmal funktionierst du nur noch.
Burnout vorbeugen ist etwas anderes, als einen Burnout aufzuarbeiten
Diese beiden Dinge werden ständig in einen Topf geworfen, und sie haben fast nichts miteinander zu tun.
Einen Burnout aufzuarbeiten heißt, etwas wieder aufzubauen, das zusammengebrochen ist. Das dauert Monate, manchmal Jahre, und es gehört in ärztliche und therapeutische Hände. Nicht in meine.
Burnout vorzubeugen heißt: jetzt etwas ändern, solange du es aus eigener Kraft kannst.
Das ist deutlich weniger dramatisch. Und deutlich wirksamer.
Nur fühlt es sich eben nie dringend an. Niemand ruft bei mir an, weil es gerade noch geht.
Und genau da liegt das Problem, auf das ich hinauswill:
Der schlechteste Zeitpunkt, Resilienz aufzubauen, ist mitten im Dauerstress.
Resilienz entsteht durch dosierte Belastung plus Erholung. Für beides brauchst du Energie. Wer keine mehr hat, kann nichts mehr aufbauen – der kann nur noch verwalten.
Der Unterschied, der über Jahre entscheidet
Stell dir ein Auto vor. Du ziehst die Handbremse an, trittst das Gaspedal bis zum Anschlag durch und lässt die Reifen durchdrehen. Es qualmt, es stinkt, und nach ein paar Augenblicken ist das Profil weg.
Jetzt löst du die Handbremse. Gleicher Motor, gleicher Druck, gleiche Reifen.
Und sie halten zehntausende Kilometer.
Nicht die Leistung zerstört den Reifen. Die angezogene Handbremse tut es.
Und genau das ist Aushalten. Es ist passiv. Die Belastung ist da, und du stemmst dich dagegen. Du veränderst nichts – nicht die Belastung, nicht deinen Umgang damit, nicht dein System. Du setzt Substanz dagegen.
Und Substanz ist endlich bzw. nutzt sich mit der Zeit immer weiter ab.
Das Tückische daran ist, dass es funktioniert. Wer diszipliniert ist, kann erstaunlich lange aushalten, ohne dass es jemand merkt. Am wenigsten er selbst. Aber die Rechnung läuft im Hintergrund weiter: schlechterer Schlaf, Gereiztheit, weniger Freude an Dingen, die dir mal Freude gemacht haben, die schleichende Erschöpfung, die sich als Normalität tarnt.
Aushalten ist ein Kredit auf deine eigene Substanz. Und irgendwann will der Kredit bedient werden. So ist das mit einem Kredit.
Resilienz ist das Gegenteil davon.
Nicht: nichts spüren.
Nicht: alles wegstecken.
Sondern getroffen werden dürfen und wieder aufstehen können. Schneller, klüger, und ohne dass dich jeder Treffer Substanz kostet. Das Wort kommt übrigens vom Zurückspringen, nicht vom Standhalten.
Klingt nach Wortklauberei. Ist hochpraktisch: Wer aushält, wird mit jeder Belastung ein Stück schwächer. Wer resilient ist, kann an derselben Belastung wachsen. Der richtige Reiz, gefolgt von echter Erholung, macht dich stärker als vorher.
Belastung ist nicht der Feind. Belastung ohne Erholung ist der Feind.
Woran du Erschöpfung bei dir selbst erkennst
Die Frage, die man sich häufig stellt: Wie merke ich das eigentlich bei mir?
Nicht an der Leistung. Das ist das Fiese daran. Dein System kompensiert lange, und von außen sieht alles normal aus. Oft sogar besonders gut, weil du im Zweifel noch mehr investierst.
Merken kannst du es an einer ganz bestimmten Stelle: am Fenster zwischen Reiz und Reaktion.
Normalerweise liegt da ein Bruchteil einer Sekunde, in dem du entscheidest, wie du antwortest. Unter Daueralarm wird dieses Fenster kleiner. Und irgendwann ist es zu.
Dann führst du nicht mehr. Dann reagiert nur noch dein Überlebensmodus.
Die unsachliche Mail um halb elf abends. Der Schärfeton im Meeting, den du am nächsten Morgen bereust. Der Satz zu deinem Kind am Küchentisch, der gar nicht deinem Kind galt.
Die übrigen Zeichen sind unspektakulärer, und genau deshalb übersiehst du sie. Müdigkeit, die auch nach einem freien Wochenende nicht weggeht. Schlaf, der nicht mehr trägt. Entscheidungen, die du früher aus dem Bauch getroffen hast und jetzt drei Tage wälzt. Und dieses Gefühl, für dasselbe Ergebnis mehr aufwenden zu müssen als vor zwei Jahren.
Einzeln heißt das alles nichts. Drei davon gleichzeitig, über Wochen? Das heißt etwas.
Das Kehrwasser
Die beste Beschreibung von Resilienz habe ich nicht in einem Buch gefunden, sondern auf dem Wasser.
Beim Kajakfahren gibt es das Kehrwasser: den ruhigen Bereich hinter einem Felsen, während der Fluss drumherum weiterströmt. Von außen sieht das aus wie Stillstand. Wer da liegt, kommt nicht vorwärts.
Jeder, der schon einmal im Wildwasser gefahren ist, weiß: Das Kehrwasser ist das wichtigste Werkzeug auf dem Fluss.
Denn dort passiert das, was in der Strömung unmöglich ist. Du kommst zu Atem. Du schaust dir die nächste Passage an, bevor du sie fährst. Du richtest dich neu aus. Und dann fährst du weiter – mit Kraft, mit Plan, und mit einer Linie, die du gewählt hast. Statt einer, in die du gespült wurdest.
Der Anfänger macht es umgekehrt. Er paddelt durch. Immer weiter, immer in der Strömung, weil Anhalten sich anfühlt wie Verlieren. Er verausgabt sich in den leichten Passagen. Und wenn die schwere kommt, ist nichts mehr da.
Genauso führen viele Menschen. Immer in der Strömung, von Termin zu Termin gespült, nie in einem Kehrwasser – weil Innehalten sich anfühlt wie Rückstand.
Dabei ist es genau umgekehrt, auf dem Fluss wie im Büro: Wer nie ins Kehrwasser geht, wählt seine Linie nicht mehr selbst. Er wird gefahren, statt zu fahren. Und die Passagen, auf die es ankommt – die schwierige Verhandlung, die Krise, der Moment, in dem alle auf dich schauen – erwischen dich mit leerem Tank.
Burnout vorbeugen heißt deshalb zuallererst: Kehrwasser einbauen. Nicht als Belohnung, wenn alles erledigt ist. Als Teil der Technik.
Die fünf Minuten vor dem kritischen Termin, in denen du dich sammelst, statt noch drei Mails zu beantworten. Der Spaziergang am Abend, auf dem sich der Tag sortiert. Der eine Termin mit dir selbst pro Woche, den du so ernst nimmst wie jeden Kundentermin.
Das ist kein Stillstand. Das ist die schnellste Bewegung, die es gibt. Sie sieht nur nicht so aus.
Woran du drehen kannst
Die Ehrlichkeit dir gegenüber:
Wer aushält, ist stolz darauf, seine Grenzen zu ignorieren. Wer resilient ist, kennt sie. Und kann sie deshalb gezielt dehnen, wenn es drauf ankommt – statt sie im Blindflug zu überfahren, bis der Körper die Notbremse zieht.
Das Fundament:
Und hier wird es unbequem, weil ich dir etwas wegnehmen muss.
Ja, du kannst deinen Körper mit Supplements, Biohacking und Selbstoptimierung unterstützen. Aber das ist nicht das Fundament. Wer im roten Bereich steht, braucht kein Eisbad – er braucht keinen weiteren Stressor. Wer seit Wochen schlecht schläft und morgens gerädert aufwacht, braucht erst mal Regeneration.
Erst das Fundament, dann die Reize:
Schlaf, Ernährung, Bewegung sind deshalb keine Lifestyle-Fragen, über die man je nach Lebensphase verhandelt. Sie sind die Ebene, auf der alles andere steht. Auf einem Nervensystem im Dauerstress trägt keine noch so gute Einstellung.
Genau so arbeitet jeder Athlet. Und genau das meine ich mit Führen wie ein Athlet:
Über die Basis wird nicht diskutiert. Die wird gebaut. Erst darauf kommen die Reize, die stärker machen. Starker Kopf und gesunder Körper sind keine zwei Themen. Das ist eines.
Und wofür das Ganze. Der Baustein, den fast alle übersehen:
Menschen halten erstaunlich viel aus, wenn das, was sie tun, zu ihnen passt. Und zerbrechen an erstaunlich wenig, wenn es dauerhaft dagegen läuft. Vieles, was wie mangelnde Belastbarkeit aussieht, ist in Wahrheit die Reibung zwischen deinem Leben und deinen eigenen Prioritäten.
Sportler frage ich immer: Warum machst du den Sport überhaupt? Die häufigste Antwort ist nicht Geld und nicht Ruhm. Sie lautet: Weil ich es liebe.
Weißt du eigentlich noch, warum du deinen Job mal angefangen hast?
Zuerst kommt die Leidenschaft. Dann die Leistung. Nie umgekehrt.
Wenn der Maßstab aus dem Büro ins Privatleben wandert
Ich habe mal einen Workshop zum Thema Resilienz für ein Investor-Relations-Team gehalten. In der Pause saß ich mit der Head of IR zusammen, die schon zu Beginn sichtlich angespannt war. Ich habe sie darauf angesprochen, und sie war sehr offen.
Sie habe keine Zeit mehr für sich. Früher sei sie sehr sportlich gewesen, Sport war immer ihr Ausgleich. Das fehle ihr. Aber sie bekomme es nicht mehr unter.
Ich habe ihr gesagt: Ich wage jetzt mal eine Aussage. Sie muss nicht stimmen:
Ich glaube, dir steht deine Perfektion im Weg.
Sie sah mich an und fragte, was ich damit meine.
"Du bist es gewohnt abzuliefern", habe ich gesagt. "Und das erwartest du von dir in allen Bereichen. Wenn du dir also vornimmst, wieder mit Sport anzufangen, dann muss es richtig sein. Dreimal die Woche, eine Stunde. Sonst kannst du es auch gleich lassen."
Genau hier verlieren die meisten die Trennung zwischen den Rollen. Nicht beim Feierabend. Nicht bei der Erreichbarkeit. Beim Maßstab.
Der Anspruch, der im Job richtig ist, wandert mit nach Hause. Und dort verhindert er ausgerechnet die Dinge, die dich tragen würden.
Im Kajak gibt es dafür auch ein Bild. Ein überladenes Boot liegt tiefer im Wasser, reagiert träger, ist in der Strömung schwerer zu halten. Du paddelst nicht schlechter. Du schleppst nur zu viel mit dir herum. Und ein Teil davon gehört gar nicht in dein Boot – wo deine Verantwortung endet und wo sie anfängt, ist eine eigene Frage, über die ich unter Abgrenzung als Führungskraft geschrieben habe.
Ich habe sie dann gefragt: Was ist realistisch für dich?
Zwanzig Minuten schlagen null. Ein Tag schlägt null Tage. Zwei Tage schlagen einen.
Der Moment, in dem sich das auszahlt
Einer meiner Klienten ist Executive Vice President in einem großen Unternehmen. Wir haben über längere Zeit an genau diesen Dingen gearbeitet.
Dann kam die Phase, für die niemand planen kann. Eine berufliche Ausnahmesituation, Druck von allen Seiten. Frühere Versionen seiner selbst wären da vermutlich ins Strudeln geraten.
Stattdessen schrieb er mir mitten in dieser Zeit: Dass er nur dank des Trainings so in dieser Situation stehen könne, wie er es gerade tue.
Das ist der Punkt, auf den es mir ankommt. Resilienz zeigt sich nicht in ruhigen Zeiten. In ruhigen Zeiten wird sie gebaut. Kehrwasser für Kehrwasser, Muster für Muster.
Im Sturm gießt man kein Fundament mehr, aber wer eines hat, steht anders im Sturm. Nicht unberührt. Handlungsfähig.
Nicht trotz des Drucks. Sondern wegen des Drucks.
Warum kein Seminar der Welt das für dich erledigt
Die unbequeme Wahrheit zuerst: In zwei Tagen entsteht keine Resilienz. Ein Seminar kann dir erklären, was Resilienz ist. Aber die Muster, die dich in der Strömung halten, sitzen tiefer als jedes Handout. Die zeigen sich erst im echten Alltag. Und nur dort kannst du sie verändern.
Deshalb funktioniert das wie gutes Training: individuell und über Zeit. Am Anfang steht die Bestandsaufnahme. Wo versickert deine Energie wirklich? Welche Muster halten dich fest? Was sagt dein Körper längst, das du überhörst?
Und dann wird gearbeitet. Kehrwasser in deinen echten Kalender einbauen, nicht in einen idealen. Den Umgang mit Rückschlägen trainieren. Die Prioritätenfrage ehrlich stellen. Und den Körper mitnehmen, damit das Fundament trägt, was der Kopf sich vornimmt.
Eine Sache noch, weil sie fast immer falsch angegangen wird:
Das Gefühl, Einfluss zu haben, baust du nicht mit Vorsätzen auf. Du baust es mit Beweisen. Und zwar mit kleinen.
In meiner Arbeit ist Resilienz deshalb nie ein Zusatzmodul, sondern das Fundament von allem. Executive Coaching in München ist der Rahmen – dein Führungsalltag, deine Entscheidungen. Resilienz ist das, was darunter gebaut wird. Ich verspreche dir nicht, dass es schnell geht. Ich verspreche dir, dass es trägt, wenn der Fluss wilder wird.
„Kein Weltmeister käme auf die Idee, ohne Trainer zu arbeiten"
Eine Beobachtung aus fünfzehn Jahren. Die Menschen, bei denen sich wirklich etwas verändert hat, haben zwei Dinge gemeinsam.
Sie sind aus ihren Mustern ausgebrochen.
Und sie haben sich Unterstützung von außen geholt.
Kein Weltmeister käme je auf die Idee, ohne Trainer zu arbeiten.
Im Sport ist das so selbstverständlich, dass die Frage nie gestellt wird. Je höher das Niveau, desto größer das Team drumherum. Trainer, Physio, Ernährung, Mentaltraining. Niemand liest das als Schwäche. Das ist einfach die Voraussetzung, um auf dem Niveau zu arbeiten. Was Spitzensportler sonst noch anders machen als das Management, habe ich unter mentale Stärke für Führungskräfte.
In der Führungsetage ist es umgekehrt. Da gilt es als Auszeichnung, es allein geschafft zu haben. Und genau deshalb holen sich viele erst dann Hilfe, wenn es keine Vorbeugung mehr ist. Sondern Reparatur.
Ein Executive Vice President hat mir vor Kurzem gesagt: "Nur dank des Resilienzcoachings konnte ich auf diesem Niveau performen."
Das ist kein Scheitern. Das ist die Erkenntnis, mit der Profis anfangen.
Eine Frage zum Schluss
Wenn du bis hierher gelesen hast, beantworte eine Frage ehrlich: Wann warst du das letzte Mal im Kehrwasser?
Nicht im Urlaub, der zwei Wochen Abstand schafft und dann von der Strömung geschluckt wird. Mitten in deiner Woche. Ein bewusster Moment, in dem du dich sortiert hast, deine Linie geprüft, deine Energie gespürt.
Fällt dir keiner ein, bist du vermutlich schon länger in der Strömung, als dir guttut. Das ist kein Vorwurf. Das ist die normale Folge eines Alltags, in dem Innehalten wie Schwäche behandelt wird.
Aber es ist der Moment, etwas zu ändern, solange du es aus eigener Kraft kannst.
Eine Einordnung gehört noch dazu, und die ist mir wichtig. Wenn Schlafstörungen über Wochen anhalten, wenn du dich auch an freien Tagen nicht mehr erholst, wenn sich Appetit oder Stimmung dauerhaft verändern: Dann gehört das abgeklärt. Zum Arzt, nicht zum Coach. Anhaltende Erschöpfung kann körperliche Ursachen haben, die ein Blutbild zeigt. Und sie kann Ausdruck einer Erkrankung sein, die behandelt gehört. Ein guter Coach sagt dir das, statt daran herumzutrainieren.
Lass uns 30 Minuten draufschauen: welche Situationen dein System hochfahren, wie es um deine Erholung tatsächlich steht, und welche ein, zwei Stellschrauben bei dir als Erstes etwas bewegen würden. Betrachte es als dein erstes Kehrwasser seit Langem.
Kostenlos, vertraulich, kein Verkaufsgespräch. Persönlich in München oder digital. Und wenn ich am Ende sage, dass Coaching bei dir gerade nicht das Richtige ist, dann sage ich dir das auch.
Timo Call ist Executive Coach, Resilienzprofessional und Sport-Mentaltrainer in München. Seit über 15 Jahren begleitet er Führungskräfte und Athleten dabei, unter Druck handlungsfähig zu bleiben – bis in den DAX-Vorstand und bis zu Weltmeistertiteln. Nicht trotz des Drucks. Sondern wegen des Drucks.
Häufige Fragen zu Burnout-Prävention und Resilienz
Wie erkenne ich Burnout bei mir selbst als Führungskraft?
Nicht an der Leistung. Das System kompensiert lange, und oft wirkt gerade die letzte Phase nach außen besonders stark. Verlässlicher ist das Fenster zwischen Reiz und Reaktion: Wenn du zunehmend reagierst, statt zu entscheiden – die scharfe Mail am späten Abend, der Ton im Meeting, den du morgens bereust – , ist dieses Fenster bereits geschrumpft. Dazu kommen Müdigkeit, die auch ein freies Wochenende nicht behebt, flacher Schlaf, dünnere Geduld und das Gefühl, für dasselbe Ergebnis mehr aufwenden zu müssen als früher. Einzeln bedeutet keines dieser Zeichen etwas, drei davon gleichzeitig über Wochen sehr wohl. Halten die Beschwerden an, gehört das ärztlich abgeklärt.
Was ist der Unterschied zwischen Burnout vorbeugen und Burnout aufarbeiten?
Es sind zwei verschiedene Aufgaben, keine zwei Härtegrade derselben. Aufarbeitung heißt, etwas wieder aufzubauen, das zusammengebrochen ist. Das dauert Monate bis Jahre und gehört in ärztliche und therapeutische Hände. Vorbeugung heißt, etwas zu verändern, solange es aus eigener Kraft möglich ist. Der entscheidende Satz dazu: Der schlechteste Zeitpunkt, Resilienz aufzubauen, ist mitten im Dauerstress. Resilienz entsteht durch dosierte Belastung plus Erholung, und für beides braucht man Energie. Wer keine mehr hat, kann nichts mehr aufbauen.
Was bedeutet Resilienz für Führungskräfte wirklich?
Resilienz ist nicht die Fähigkeit, immer mehr auszuhalten – das ist Durchhalten, und es zehrt an der Substanz. Resilienz heißt: getroffen werden dürfen und wieder aufstehen können. Schneller, klüger, und ohne dass jeder Treffer Substanz kostet. Dazu gehören der Blick nach vorn statt zurück, die eigenen Signale ernst nehmen, Erholung aktiv einbauen und an Belastung wachsen statt an ihr zu zerbrechen.
Was ist der Unterschied zwischen Resilienz und Durchhalten?
Durchhalten ist passiv: Die Belastung bleibt, man stemmt Substanz dagegen und Substanz ist endlich. Das funktioniert oft jahrelang und führt gerade deshalb unbemerkt in die Erschöpfung. Resilienz ist aktiv: Sie verändert den Umgang mit Belastung, baut Erholung als festen Bestandteil ein und nutzt Druck als Trainingsreiz. Wer durchhält, wird mit jeder Belastung schwächer; wer resilient ist, kann an ihr wachsen. Das Bild dazu: Mit angezogener Handbremse ist der Reifen nach Augenblicken hinüber. Ohne sie hält derselbe Reifen bei gleichem Druck fünfzigtausend Kilometer.
Warum sind Schlaf, Ernährung und Bewegung bei Resilienz nicht verhandelbar?
Weil sie die Ebene sind, auf der alles andere steht. Ein Nervensystem im Dauerstress, flacher Schlaf und ein Energiestoffwechsel auf Reserve bilden ein Fundament, auf dem keine mentale Strategie trägt. Supplements, Biohacking und Selbstoptimierung können unterstützen, ersetzen das Fundament aber nicht. Wer im roten Bereich steht, braucht keinen zusätzlichen Stressor, sondern erst Regeneration. Erst das Fundament, dann die Reize. So arbeitet jeder Athlet, und genau das ist mit „Führen wie ein Athlet" gemeint.
Kann man Resilienz trainieren?
Ja, aber nicht in einem Wochenendseminar. Resilienz entsteht wie körperliche Fitness durch kontinuierliche, individuelle Arbeit: die eigenen Energiefresser und Muster erkennen, Erholungsmomente fest in den Alltag bauen, den Umgang mit Rückschlägen trainieren und den Körper als Fundament mitnehmen. Entscheidend ist die Größe der Schritte: Das Gefühl, Einfluss zu haben, entsteht durch Beweise, nicht durch Vorsätze. Zwanzig Minuten, die stattgefunden haben, verändern mehr als ein perfekter Plan, der nicht stattgefunden hat.
Was ist das Kehrwasser-Prinzip?
Das Kehrwasser ist im Wildwasser der ruhige Bereich hinter einem Felsen, in dem Kajakfahrer zu Atem kommen, die nächste Passage lesen und sich neu ausrichten – bevor sie mit gewählter Linie weiterfahren. Übertragen heißt das: Bewusste Momente des Innehaltens sind kein Stillstand, sondern die Voraussetzung dafür, den eigenen Kurs selbst zu bestimmen. Wer nie ins Kehrwasser geht, wird vom Alltag gefahren, statt selbst zu fahren.
Warum brennen gerade belastbare Führungskräfte aus?
Weil Belastbarkeit das Warnsystem überdeckt: Wer viel aushält, kann Warnsignale lange ignorieren, ohne dass die Leistung sichtbar einbricht. Das System kompensiert, während im Hintergrund Schlaf, Erholung und Energie schleichend abbauen. Durchhalten wird im Umfeld zudem bewundert und damit verstärkt. So fallen ausgerechnet die, die am längsten durchhalten, am tiefsten, weil niemand, auch sie selbst nicht, das Ausmaß rechtzeitig bemerkt.
Ist es ein Zeichen von Schwäche, sich als Führungskraft Unterstützung zu holen?
Im Leistungssport stellt sich diese Frage nicht: Je höher das Niveau, desto größer das Team aus Trainer, Physiotherapie, Ernährung und Mentaltraining. Kein Weltmeister käme auf die Idee, ohne Trainer zu arbeiten. In der Führungsetage gilt dagegen oft als Auszeichnung, es allein geschafft zu haben und genau diese Haltung führt dazu, dass Unterstützung erst geholt wird, wenn es keine Vorbeugung mehr ist, sondern Reparatur.


